Donauwanderfahrt von Passau nach Wien


Am 06.07. machten sich gut gelaunte Nassovia Höchst Ruder*innen mit dem Vereinsbus auf den Weg nach Passau, beladen mit einem Riemenvierer, einem gesteuerten Doppelzweier und drei Doppelvieren auf dem Bootshänger.

 

In Passau angekommen, verabschiedete sich Hängerelektronik zufällig genau vor unserem Hotel „Wilder Mann“. Wir konnten an einer Bushaltestelle halten. Erfreulicherweise hatten wir mit Detlev Jantz (Ludwigshafener Ruderverein) einen Elektronikexperten und versierten Bastler an Bord, der das Problem kreativ lösen konnte. Nach Verarztung des Kabelbaums und wieder leuchtenden Brems- und Blinklichtern konnten wir dann zum Kanuclub TV Passau fahren, um unsere Boote aufzuriggern.

 

Bei der Zufahrt zum Kanuclub streifte unser Hänger Blätter einer Hecke, welches zu einem lautstarken Beinahe-Nerven-Zusammenbruch des Heckenbesitzers nebst Gattin führte.

 

Beim Aufriggern der Boote stellten wir dann fest, daß sich bei „Emil“ die Schieblinge zur Arretierung des Stemmbrettes während der Fahrt auf einen eigenen Weg weg von Boot und Hänger gemacht haben. Auch hier half Detlev mit seiner „Wunderreparaturtüte“ aus. Es fanden sich darin noch 2 Schieblinge, so dass alle Boote vollständig aufgeriggert werden konnten.

 

Abends trafen wir uns dann mit den Ruder*innen aus Frankfurt, Kiel und Wien zum Abendessen im Stiftskeller. Wir waren insgesamt 30 begeisterte Ruder*innen, von denen 4 Ruder*innen aus Wien tageweise mitruderten.

 

Die Bootsbesatzungen und der Landdienst wurden täglich von Christian neu geplant, so dass wir alle einmal miteinander im Boot sitzen konnten.

 

Der Landdienst versorgte uns an den Mittagsrastplätzen mit Snacks und Getränken.

 

Am Sonntag startete dann die Wanderfahrt mit einer traumhaft schönen Landschaft aber leichtem Regen (vor der Schleuse Jochenstein) von Passau bis Schlögen (39,5 km).

 

In Jochenstein hatten wir unsere erste Schleuse. Schleusen ist immer ein Abenteuer und teilweise haben wir unsere Boote auf der Wanderfahrt auch umgetragen, wenn wir keine Schleusenerlaubnis erhielten, oder die Wartezeiten zu lang waren.

 

In Jochenstein durften wir die Schleuse nicht benutzen. Der Schleusenwärter hat uns keine Erlaubnis zum Schleusen erteilt. Die Deutschen sind da restriktiver als die Österreicher. Deshalb mußten wir unsere Boote umtragen.

 

An dieser Stelle darf man die Betreiber der Umsatzstellen loben: Es gab immer ausreichend Bootswagen zum Transport und die Umsatzstellen waren gut ausgebaut.

 

In Schlögen hatte unser Hotel einen schönen Wellnessbereich, so dass einige von uns den Tag mit einem Saunagang ausklingen ließen.

 

Am Montag setzten wir unsere Bootstour fort. Wir ruderten von Schlögen bis Linz (55,2 km) und hatten 2 Schleusen zu bewältigen. Die Landschaft begeisterte uns wieder: Burgen, Schlösser, Wald und schöne Ortschaften.

 

Am Abend besuchten wir die Bootswerft Schellenbacher in Linz.

 

Wir waren neugierig und vor Allem: Hungrig. Herr Schellenbacher Junior führte uns durch seine Werkstatt und erklärte uns viele interessante Fakten zu Bootsbau und Bootsbautechnik. Bei Schellenbacher ist Bootsbau noch echtes Handwerk mit viel Know How und Liebe zum Boot. Herr Schellenbach Senior wollte es sich nicht nehmen lassen, uns auch zu begrüßen. Dabei erzählte er viele spannende Geschichten aus seinem Bootsbauerleben. Wenn wir nicht so hungrig gewesen wären, hätten wir auch noch länger gelauscht. Aber nach 2 Stunden Führung hat Christian dann zu Abendessen getrommelt.

 

An dieser Stelle sei zu erwähnen, daß die österreichische Küche einfach köstlich ist. Auf Kalorien sollte man nicht schauen. Alle Gerichte waren frisch zubereitet, sehr nahrhaft und phantastisch gewürzt. Mit einem Grünen Veltiner oder einem frisch gezapften Bier ließen wir die Abende ausklingen.

 

Dienstags ging es weiter nach Grein (52,4 km).

 

Dieses Mal gab es 2 Schleusen zu bewältigen. Der Wind nahm an diesem Tag stark zu und wir mussten unsere Boote bei sehr viel Wind und Wellen in die Schleusen manövrieren. Das sollte am Donnerstag noch schlimmer werden, aber das konnten wir ja noch nicht wissen.

 

Von Grein ruderten wir Mittwochs nach Melk und besichtigten dort das Benediktinerkloster.
Belohnt wurden wir mit einer Konzertprobe eines Brass-Orchesters: Ca. 20 Blechbläser probten in der Kathedrale für ein bevorstehendes Konzert. Das Stück war wunderschön, eine phantastische Akustik und kaum Publikum in der Kathedrale. Es war quasi eine private Konzerteinlage extra für uns.

 

Die Wachau begleitete uns am Donnerstag. Wir ruderten von Melk nach Krems.

 

Diese Teilstück ist eine ruderische Herausforderung: Strömung , Bojen, Wind, Wellen und Berufsschifffahrt. Im Doppelzweier wurden Spitzengeschwindigkeiten von 17,5 km/h erreicht.

 

Wir haben an dieser Stelle den Kremser Rudertriathlon erfunden: Rudern, Schwimmen, Laufen. Eines unserer Boote hatte ein Tonne geküßt und musste an Land gezogen werden.

 

Gut, dass es die Schellenbachers gibt. Herr Schellenbacher Senior kann somit eines seiner Boote, welches er vor vielen Jahren baute, noch einmal fachgerecht überarbeiten. Wir haben das Boot auf der Rückfahrt bei Schellenbacher zur Reparatur übergeben.

 

Am Abend machten wir eine Weinprobe bei der Winzergenossenschaft Winzer Krems EG. Diese Winzergenossenschaft ist eine der größten in Österreich und topmodern ausgestattet. Wir besichtigten grandiose Weinkellergewölbe, bekamen eine 3D-Kinovorführung über die Weinlese und Weinherstellung und beendeten die Weinprobe mit einem typisch österreichischen Buffet: lecker und reichlich.

 

Freitag sollte uns die Tour von Krems nach Tulln führen.

 

Der Wettergott war uns nicht gnädig. Es regnete in Strömen und ein Gewitter zog auf. Deshalb entschied Christian, die Tour nach der Schleuse aus Sicherheitsgründen für diesen Tag zu beenden und die restlichen Kilometer am Samstag zu rudern.

 

Abends sind wir in ein legendäres „Insiderlokal“ eingekehrt: Gasthof zum Renner in Wien Nußdorf.

 

Das Lokal wird vorwiegend von Einheimischen besucht und ist für die Größe der Portionen bekannt.

 

Mit einer Portion ist der Nährstoffgehalt für eine 100 km lange Tagestour sichergestellt.

 

Damit hatten wir genug Energie aufgenommen, um den nächsten Tag nach Wien zu unserem Ziel: Ruderverein AUSTRIA zu rudern.

 

Die letzte Tour fand bei strömendem Regen statt. Tapfer kämpften wir uns durch den Regen und wurden in Wien von Hasi, Serenella, Nadja, Susanne und Gabriele mit heißem Tee und kühlem Bier verwöhnt. Nach dem Reinigen und Abriggern der Boote ging es nach Tulln zum Abschiedsabendessen.

 

Auf der Rückfahrt brachten wir die Scholar zu Schellenbacher und fuhren zurück zur Nassovia.

 

Kurz vor Frankfurt wurde der Diesel knapp und wir entschieden uns, die Autobahn in Frankfurt Süd zu verlassen und zu tanken. Dummerweise waren an der Seite, auf der sich die Tanköffnung befindet, alle Plätze belegt und so entschied ich mich, mit dem Hänger die andere Seite der Zapfsäulen anzufahren und den Tankschlauch an der Vorderseite des Busses vorbeizuführen.

 

Das funktioniert bei PKWs, beim Bus war der Schlauch leider etwas zu kurz.

 

Aber wir sind ja eine kreative Gruppe und haben deshalb den Schlauch einfach durch die Fahrerkabine zum Tankstutzen geführt. Wir hatten viele interessierte Zuschauer bei dieser Aktion aber schlussendlich den Tank erfolgreich gefüllt.

 

Nach dem Aufriggern und Abladen der Boote bei der Nassovia spendierte uns der Wirt von Gang Naru noch Kaffee und Bier.

 

Wir beendeten eine wunderschöne Ruderwanderfahrt, die hervorragend von Christian Scholz organisiert war. Die Rudertouren waren herrlich, 300 km in einer Woche war sportlich. Die Hotels waren sehr geschmackvoll eingerichtet, die Restaurants servierten tolles Essen, die Landschaft war malerisch und vor Allem: Die Ruder*innen waren Super.

 

Hipp Hipp Hurra an Christian und die vielen Helfer*innen im Hintergrund.

 


Teinehmer*innen an der Ruderwanderfahrt:

 

  • Nassovia Höchst: Christian Scholz, Dagmar Hübner, Martin Monshausen, Anette Schamp, Ralf Tieder, Josephine Wolff-Metternich, Hilde Flach
  • Ludwigshafener Ruderverein: Detlev Jantz
  • Kieler Ruderverein: Volker Franz, Uwe Johannsen, Ulrike Kerscher, Bernd Pingel, Helga Puschendorff, Claus Riecken, Susann Schröder, Thomas Schröder, Martina Suer, Hanno Vollert
  • Wiener Ruderverein Austria: Nadja Hahn, Anton Haslinger, Susi Lampert, Gabriele Kohlmaier, Bouschra Portner, Serenella Zopolat
  • Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen: Marja Ahlroos, Stefan Siebrecht, Andrea Stürze, Erwin Wiesensarter
  • Akademische Ruderverbindung Rheno Franconia: David Kiss

 

 

Bericht: Hilde Flach