Die Vogalonga wurde als Protest gegen die Zerstörung der Fundamente Venedigs durch Wellen großer Schiffe ins Leben gerufen. Muskel-betriebene Wasserfahrzeuge aller Art fahren während des Events am Pfingstwochenende durch Venedig und demonstrieren für eine nachhaltige Fortbewegung und eine bewusste Entschleunigung des Besuchs in Venedig.

 

 

Es ist üblich, dass große Ozean-Dampfer für einen Tag in Venedig haltmachen und die Passagiere Venedig nur für wenige Stunden besuchen. Ein überfüllter Markus-Platz und dessen Seitenstraßen, sowie teure Cafés zeugen davon. Sobald man sich außerhalb der ausgetretenen Pfade bewegt, wird es schnell ruhiger.

 

 

Peter Antony-Spies erfüllte sich mit dem diesjährigen Besuch ein weiteres Mal einen Traum. Er organisierte die Fahrt für die Teilnehmer der Nassovia und der benachbarten Ruderfreunde aus Griesheim. Bereits früh hatte er das Hotel für uns gesichert, die Anmeldung zu der Veranstaltung in die Wege geleitet und auch den Bootstransport organisiert.

 

 

Von der Nassovia nahmen teil: Anette Schamp, Michael Steinbach, Ralf Trieder, Martin Monshausen und Peter Antony-Spies. Anettes Freundin Heike – die in Venedig studiert und gelebt hat - begleitete uns.

 

 

Den Bootstransport hatte Peter geschickt gelöst: Die Ruderfreunde aus Oberrad unternahmen im Vorfeld der Vogalonga eine Wanderfahrt und wir konnten Ihnen unser Boot – die Maingold – für den Transfer mitgeben. Wir brachten das Boot also eine Woche vor Pfingsten - an Christi Himmelfahrt - ins Rudererdorf. Als erfahrener Vogalonga-Teilnehmer hatte Peter auch einige wichtige Utensilien mit eingepackt, die wir für die Vorbereitung des Boots für die Vogalonga brauchen würden.
Unser Boot wartete dann bereits in Venedig auf unsere Ankunft. Die Anreise konnten wir somit ganz ohne Anstrengungen per Flugzeug antreten.

 

 

Am Freitag, den 02. Juni war es dann soweit: Wir starteten zusammen am Flughafen Frankfurt in unser italienisches Abenteuer. Am Flughafen in Venedig angekommen, machten wir uns dann auf den Weg zu den Vaporetti – Venedigs Wassertaxis. Eines brachte uns zu der Insel auf dem unser Hotel lag: dem Lido.

 

 

Bereits auf der Hinfahrt konnten wir das rege Treiben auf den Kanälen Venedigs kennenlernen und uns wurde sehr schnell klar, warum Peter so extrem großen Wert auf die Boots-Abdeckungen und Wellenbrechen gelegt hatte. Die Wellen waren unerwartet rau – selbst unser großes Wassertaxi stampfte durch die Wellen und musste mehrfach abbremsen, um hohen Wellen anderer Schiffe auszuweichen. Die Holzpfähle, die als Begrenzungen des Fahrwassers dienen, zeigten sehr starke Spuren des Wellengangs und waren vielfach mit Metallarmierungen repariert. Die Sorge der Bewohner um die Fundamente wurde einem hier bildlich vor Augen geführt.

 

 

Abends hatten wir uns mit unseren Ruderfreunden aus Griesheim zum Essen verabredet. Leider klappte die Verabredung nicht auf Anhieb, aber nach einigen Telefongesprächen hatten wir dann doch alle zusammengetrommelt.

Nach dem Essen begingen wir dann das erste Mal unser tägliches Abend-Ritual: Den Besuch der Eisdiele. Peter freute sich jeweils den ganzen Tag auf den Besuch und konnte auch die anderen mit seiner Begeisterung mitreißen. Danach nahmen wir noch das eine oder andere Bier in der benachbarten spanischen Kneipe ein.

 

 

Der Samstag vor der Vogalonga stand im Zeichen der Bootsvorbereitung. Wir fuhren morgens zu unserem Boot, welches auf der Insel Punta Sabbioni lag. Neben dem obligatorischen Aufriggern, wurden die Bug-Abdeckung und die Heck-Abdeckung montiert und mit Klebeband abgedichtet. Auch die Ausleger erhielten einen breiten Wellenbrecher, so dass Wellen vor dem Eindringen in das Boot gehindert wurden.

Auf Punta Sabbioni erhielten wir auch einen ersten Eindruck von den Ausmaßen der Vogalonga. Der dortige Paddelclub war bevölkert von Wassersportlern aus aller Welt, die eifrig ihre Boote vorbereiteten.

 

Nach den aufwendigen Vorbereitungen ließen wir dann die Boote zu Wasser. Einen Steg gab es nicht, so dass wir einen Wassereinstieg am Strand machen mussten. Doch auf Grund des traumhaften Wetters und warmen Wassers war das eine sehr angenehme Abwechslung von der Hitze, die während der Vorbereitung geherrscht hatte.

 

Das Ziel unserer Fahrt war es, dass Boot auf den Lido zu überführen, so dass wir Sonntag früh direkt von dort an den Start rudern konnten.

 

Bereits am Samstag war der Steuermann gefordert, das Boot durch Untiefen und hohe Wellen zu dirigieren. Zwischen Freizeit-Booten und Vaporetti erreichten wir den Lido schon recht bald und hatten uns recht schnell an den anderen Ruderstil gewöhnt, den der Wellengang erforderlich machte.
Am Lido angekommen war es dann die Absicht, einen der schmalen Kanäle zu nehmen und das Boot dort zu vertäuen. Die Kanäle wandelten sich dann aber zunehmend in Kanälchen – zu Ende war es nicht mehr möglich normal zu rudern: wir mussten uns mit langem Blatt treiben lassen und vom Steuermann piken lassen. Den zusammen mit uns geruderten Griesheimern war es dann nicht mehr ganz geheuer und sie machten ihr Boot im vorderen Teil des Kanals fest. Peter bestand auf seinem Plan und wir ließen uns weiter durch den Kanal piken. Irgendwann hatte er dann den passenden Anleger gefunden: Eine steile Kai-Mauer.

Da Peter diese trotz seines fortgeschrittenen Alters in einer beeindruckenden Leichtigkeit erklommen hatte, wollten auch wir anderen uns nicht lumpen lassen. Mit vereinten Kräften schaffen wir es dann alle, das Ufer heil zu erreichen und das Boot ordentlich festzumachen.

 

Den restlichen Tag nutzen wir dann, um Venedig noch etwas zu erkunden. Wir besuchten also zusammen mit tausenden anderen Touristen den Markus-Platz und die umliegenden Sehenswürdigkeiten. Peter erwies sich als gut informierter Führer und konnte eine Vielzahl an Details zu den Orten und deren Geschichte erzählen. Seine Leidenschaft galt nicht nur Venedig, sondern auch dem aus dem Fernsehen bekannten Comissario Brunetti (einer Figur nach Donna Leon). Er konnte uns einige Drehorte zeigen.

 

Abends gab es ein weiteres Highlight: Heike (Anettes Freundin) hatte ihre Beziehungen spielen lassen und uns einen Besuch in einem vorzüglichen Restaurant organisiert. Obwohl uns der Betreiber erst abwimmeln wollte, gelang es ihr uns einen Tisch zu ergattern und ein traumhaftes Abendessen zu bereiten. Der Fisch und die Meeresfrüchte waren aufgrund der Nähe zum Meer unbeschreiblich lecker. Das Beste kam zum Schluss: Dank der Beziehungen bekamen wir sogar noch einen Rabatt auf den Preis!

 

 

Bei unserem Abend-Ritual trafen wir dann auf viele weitere Vogalonga-Teilnehmer und natürlich auch Ruderer aus Frankfurt. Im Eislokal trafen wir eine Delegation der Ruderkollegen der Germania Frankfurt – mit Altbekannten Gesichtern, die Peter alle persönlich begrüßen konnte.
In dem spanischen Bier-Lokal gab es dann noch eine weitere Überraschung: Eine größere Spanisch-sprechende Gruppe erwies sich als Drachenboot-Crew aus Frankfurt – die auch noch von einem Neffen einer Ruderkollegin der Nassovia gesteuert wurden. Wie klein die Welt ist…

 

 

Am Sonntag war dann der Tag der Vogalonga. Unser Boot hatte die Nacht gut überstanden und lag noch so wie am Vortag festgemacht im Kanal. Schnell konnten wir uns auf den Weg zum Start machen. Der Start wird am Markusplatz mit einer Kanone eingeläutet. Bereits auf dem Weg zum Start bemerkten wir, dass es einige mit dem offiziellen Startschuss nicht so genau genommen haben, da diese bereits losgefahren waren. Zum Markusplatz hin wurde es immer voller und der Start rückte immer näher. Peter war zu dieser Zeit unser Steuermann und nahm es mit dem Start sehr genau – sein Plan war es bis zum Markusplatz zu fahren und dann beim Kanonenschuss loszufahren. Nur mit Mühe konnten wir ihn bewegen, im Pulk der anderen Boote doch bereits 500 Meter vor dem Start zu drehen, um nicht im Gewühl der andern startenden Boot als verkehrtherum-liegendes Boot zum Hindernis zu werden.

 

 

Der Startschuss erfolgt dann auch prompt und wir konnten uns in Bewegung setzen. So wirklich rudern konnte man anfangs jedoch nicht. Zu dicht war der Verkehr und die unterschiedlich schnell fahrenden Kanus, Ruderboote, Drachenboote, Gondeln, Stand-Up-Paddels, usw. zwangen uns immer wieder zum haltmachen. Das erlaubte uns jedoch teilweise einen guten Blick auf die Sehenswürdigkeiten und viele Fotopausen.

 

 

Wie eine Karawane bewegten wir uns zusammen mit den anderen durch Venedig; vorbei an den Inseln Burano, Murano und der Friedhofsinsel. Mündeten dann in den Canale di Cannaregio und dem Canale Grande. Das Ziel war wiederum der Markusplatz.

 

Neben dem atemberaubenden Panorama der Stadt waren auch die vielen Menschen am Ufer, die uns zujubelten und feierten, ein Traum.

 

 

Während der Vogalonga ist es Motorbooten verboten zu fahren. Nach dem Ziel war es jedoch erlaubt, so dass die Fahrt vom Ziel zurück zur Punta Sabbioni etwas beschwerlich war. Etwas ausgelaugt von der Vogalonga und der Mittagshitze mussten wir uns bei dem enormen Wellengang mächtig ins Zeug legen. Erschwerend kam später noch hinzu, dass die gestrigen Untiefen kurz vor der Punta Sabbioni zum Problem wurden: Wir liefen auf Grund, so dass uns der damalige Steuermann Michael fast 20 Meter lang schieben musste.

 

 

Unser Ziel erreichten wir dann wenig später. Mit vereinten Kräften schafften wir unser Boot dann aus dem Wasser und begannen abzuriggern. Nach getaner Arbeit nahmen wir dann unser wohlverdientes Picknick mit leckerem Gorgonzola, Salami, Brot und Rotwein zu uns. Der ein oder andere konnte später auch noch einen Äppler bei den Griesheimern abstauben.

 

Gestärkt machten wir uns dann auf den Rückweg ins Hotel. Nach einer ausgiebigen Dusche waren wir schnell wieder fit.

Abends hatten wir uns wieder mit den Griesheimer Ruderkameraden verabredet und ließen den Abend ausklingen.

Ein kurzer Abstecher zum Hafen auf dem Lido erlaubte uns einen Ausblick auf das offene Meer und die in der Ferne dahin-schwebenden Ozeanriesen.

 

 

Am Montag besuchten wir dann noch einmal Venedig und informierten uns in einem Mitmach-Museum über Leonardo Da Vinci. Allzulange durften wir uns aber nicht aufhalten, da nachmittags unser Flug uns wieder nach Frankfurt zurückbrachte.

 

 

Das Wetter in Frankfurt kam uns nach drei sonnenreichen Tagen etwas ungemütlich vor und die kurze Hose und das T-Shirt mussten der Jacke weichen.

 

 

Die Vogalonga 2017 waren drei unvergessliche Tage, die uns lange in Erinnerung bleiben werden. Jedem sei die Vogalonga ans Herz gelegt: Neben einer schönen Rundfahrt durch Venedig trifft man auch viele nette Wassersportler aus der ganzen Welt, mit denen man schnell ins Gespräch kommt und die die Fahrt zu einem Erlebnis machen.

Bei Interesse können wir die Fahrt im Jahr 2018 wiederholen.

 

 

Vielen Dank an Peter, dass du zusammen mit uns und für uns dieses tolle Event unternommen hast!

Martin Monshausen