Alt-Neu-Alt-Rhein-Tour "Rund um den Kühkopf"

Regatta fordert Ausdauer, Willenskraft und Schmerzunempfindlichkeit

Nur wenige Tage später wäre die Rund-um-Regatta nicht mehr möglich gewesen, weil überall in Deutschland riesige Wassermassen die Flüsse entlangströmten. Doch am Fronleichnamstag zeigten sich Ruderclub Neptun, Wetter und Wasser davon noch unbeeinflusst vorbereitet. Die Zahl der teilnehmenden Boote war dieses Jahr nicht ganz so hoch wie sonst, aber der familiäre Charakter der Regatta wurde dadurch um so mehr unterstrichen.

Die Ruderer der FRG-Nied Sascha und Bernd Ravens sowie die Steuerleute Gisela Taeuber und Andreas Langer und die Ruderer des RC Nassovia Höchst Stefan Ehrhard, Detlef Glitsch und Rüdiger Dingeldey wurden dieses Mal von Thomas Ruprecht und Michael Wähling aus Mannheim unterstützt, so dass in zwei Vierern gestartet werden konnte.

 

Die im Durchschnitt etwas jüngere Mannschaft legte sich mächtig ins Zeug und erruderte die absolut viertschnellste Zeit des Tages. Durch die Zeitkorrekturen wurde abschließend der fünfte Platz bei den Vierern belegt. Die andere Mannschaft, im Durchschnitt mit etwas mehr Trainingskilometern (wegen mehr Lebensjahren) ließ sich aber auch nicht lumpen und jagte alle zuvor gestarteten Boote. In diesem Boot führte die Zeitkorrektur zum "vergleichbargerechneten vierten Platz bei den Vierern.


Bei Sonnenschein und etwas Schiebewind gingen beide Boote das erste der drei Teilstücke an. Schnell flogen Erfelden, das Bootshaus der Darmstädter Schwimm- und Wassersportvereinigung vorbei, die Schwedensäule, der Sportboothafen. Da kam sie schon die Nordspitze. Nur erfahrene Steuerleute schaffen es hier, die Bootsspitze soweit in die Strömung des Neu-Rheins zu drehen, so dass man nicht weit abgetrieben wird. Beiden Booten gelang dies. Ganz glücklich ist man, wenn man bei dieser Wende gleich noch Boote abschüttelt, die weniger geschickt auf den Neu-Rhein ausfahren. Mit nur haarbreitem Abstand zwischen Blattspitze und Anlegestegen, ins Wasser reichenden Ästen, Buhnen, Kiesbetten, langsameren Booten kämpften sich die Boote - allerdings ohne Sichtkontakt zwischen den beiden befreundeten Booten - Zentimeter um Zentimeter gegen die Kraft des Neu-Rheins. Wenn die Nerven beginnen blank zu liegen kommt sie. Achtung, die Südspitze.

Es gab zwar noch kein Hochwasser als die Regatta stattfand, aber bei dem bereits höheres Wasser führenden Rhein und entsprechend starker Strömung ist die Einfahrt in den Alt-Rheinarm wieder eine tückische Herausforderung für Steuerleute und Ruderer. Doch die Elemente wurden beherrscht, die Kurve gemeistert. Dann nur noch die wieder an den Nerven zehrende dritte Phase des Rennens.

 

Die Natur lässt kein Abschätzen über den Standort zu. Ischiasnerv und Wasseransammlungen zwischen den Hautschichten der Hand machen den Ruderern zu schaffen, doch mehr noch wird diese Strecke zur Willensprüfung. Kaum markante Punkte, keine Kilometerangaben.

 

Dann die Fußgängerbrücke. Steuerleute muntern hier ihre Mannschaften üblicherweise durch die Ankündigung auf, dass es ja nur noch ein guter Kilometer bis zum Ziel sei. Also, Einsatz und Ausheben wieder synchronisieren, Rhythmus aufnehmen, letzte Kräfte koordiniert einsetzen und schon rauschen die Boote an Sportbootanleger sowie dem Paddelverein Stockstadt vorbei. Endlich, die Zielglocke erklingt, Ruderer klappen zusammen oder stützen sich hoch, damit die arg geschundenen Sitzhöcker endlich Entlastung bekommen. Kaum ist gewendet, freundliche Blicke vom Ufer, aufmunterndes Zunicken, Vorfreude auf Getränke, Kuchen und Steak. Bereits schon beim Boote verladen lassen sich die ersten Analysen und Selbstbeweihräucherungen hören. Wir waren wieder dabei, wissen wo noch Verbesserungspotentiale schlummern und nächstes Jahr werden wir ... (Das muß leider aus taktischen Gründen vorläufig noch verschwiegen werden). (RüDi)