Der Achter bleibt in der Halle

Nur ein Vierer geht beim VFS-Schnupperrudern zu Ehren des neuen IOC-Präsidenten zu Wasser

Wirklich passend war die Wahl der Sportart für den Thomas-Bach-Gedächtnis-Abend des VFS natürlich nicht. Ein Ruder-Vierer ist ja schließlich Team-Sport, während eine Einzelsportart offensichtlich deutlich besser auf die IOC-Präsidentschaft vorbereitet. Der ehemalige Ober-Olympier Jaques Rogge nahm schließlich als Ein-Mann-Segler an Olympischen Spielen teil, sein nur eine halbe Stunde vor Beginn des Schnupperruderns beim Ruder-Club Nassovia Höchst bei der IOC-Session gewählter Nachfolger Thomas Bach schwang bekanntlich das Florett und pflegte somit eine der olympischen Duell-Situationen schlechthin. Und dennoch ernannte der VFS-Vorsitzende Walter Mirwald den Abend des 10. September spontan zum Thomas-Bach-Gedächtnis-Rudern, dem leider deutlich weniger Vereinsmitglieder gefolgt waren als in den Vorjahren. Viele zogen es offenbar vor, am Abend die Berichterstattung von der IOC-Session oder gar den Thomas-Bach-Gedächtnis-Kick auf den Färöer via Fernsehen zu verfolgen. Ob nun die Färöer oder der Ruder-Club Nassovia der würdigere Ort für eine Ehrenbezeugung war, sei einmal dahingestellt.

 

Für den neuen IOC-Präsidenten bleibt in jedem Fall noch Luft nach oben: Die Achter blieben in der Halle, während unter den gut 20 VFSlern gerade einmal vier Sportkameraden zu finden waren, die „Emil“, einen Doppel-Vierer mit Steuermann, in den Main hoben. Auf den Sitz des Einpeitschers begab sich der Nassovia-Chef Rüdiger Dingeldey persönlich, der dem VFS mit seinem Verein einmal mehr als Gastgeber einen wunderbaren Abend bereitete. Ralf Weitbrecht, seit jeher als Verehrer des Schlagmanns an sich bekannt, machte es sich an der wichtigsten Position im Boot bequem, Karin Lünendonk, Frank Hellmann und der Autor dieser Zeilen komplettierten das Quattro infernale, das sich nun erst einmal gegen die Strömung mainaufwärts kämpfte.

Das Schiff hatte Steuermann Dingeldey freilich besser im Griff, als es Bach mit seinem Ozeandampfer jemals gelingen dürfte. Der Bootschef changierte geschickt zwischen Zuckerbrot und Peitsche, um im Boot die nötige Reibung für Glanzleistungen an den Riemen zu sorgen. Das sensible Duo Weitbrecht/Meuren lobte er für nur gelegentliche Rhythmus-Genauigkeit völlig überzogen als eineiige Zwillinge, während er den erfolgverwöhnten Allroundsportler Hellmann (Triathlet, wenige Tage zuvor als Schlussmann zwei Elfmeter beim Journalisten-Länderspiel gegen Österreich abgewehrt) bei seinem Ruder-Debüt mit ständigen Verbesserungshinweisen zu Höchstleistungen zu treiben versuchte. Ein guter Teamchef weiß nun einmal genauso wie ein guter IOC-Präsident, wie er sein Team zu führen hat. Dingeldey erfüllte die Führungsaufgabe inklusive der Backbord-Wende (ins Sichtweite des Museumsufers -  oder waren es doch noch ein paar Kilometer bis dahin?) so gut, dass seine Mannschaft punktgenau wieder an Land kam, als die köstlichen Steaks und Bratwürste auf dem Grill durch waren. Das ein oder andere Bier wurde auch noch getrunken. Natürlich auch zu Ehren des Thomas Bach. Oder haben wir das missverstanden?

Buschtrommel Nr. 2/Okt 2013; Daniel Meuren