1000 Steuertipps bei der Nassovia

Bei herrlichem Sonnenschein und bester Laune absolvieren Frankfurter Ruderer den ersten Steuermannslehrgang des Jahres. Von Jürgen Erb

Über Frankfurt spannt sich ein stahlblauer Himmel, der Frühling kommt, und es ist Zeit wieder auf’s Wasser zu gehen. Obacht, nur mit Diplom, dachten sich 28 Ruderbegeisterte, die sich am Samstag den 24. März 2012 in der bel étage unseres Clubhauses zum Steuermannslehrgang einfanden. Nach einer kurzen Begrüßung durch Frank Reppe, Lehrer der Hessischen Ruderjugend und im Gießener Verein beheimatet, ergriff Paul Marcus Schäfer, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Aschaffenburg das Wort.
Nassoven unter fachkundiger Aufsicht.
Nassoven unter fachkundiger Aufsicht.

Dieses steht für 185 Kilometer Schiffsbetrieb auf dem Main gerade, und zwar von Rothenfels im Spessart bis zu seiner Mündung. Die 21 Schleusen werden im 24-Stunden-Betrieb gefahrenen. Ein 27 Mio EUR schweres Jahresbudget ermöglicht es der Behörde, diesen bedeutenden Verkehrsweg stets à jour zu halten. Der gewerbliche Güterverkehr genießt auf Bundeswasserstraßen oberste Priorität. So werden auf dem Untermain jährlich 14 bis 18 Mio Tonnen Güter bewegt. “Zeit ist Geld” gilt auch für den Binnenschiffer, dessen Schiff allein tägliche Fixkosten in Höhe von 2.500 bis 3.500 EUR darstellt. Wen wundert es dann noch, dass diese Dickschiffe uns Sportlern so ungern ausweichen, so kommt es auf dem Streckenabschnitt jährlich zu 40 bis 50 Havarien.

Wer kennt die Antwort?
Wer kennt die Antwort?
Vom Osthafen aus patrouilliert Polizeioberkommissar Neumann von der Wasserschutzpolizei in 12-Stunden-Schichten sein Revier. Obwohl man mit zwei schweren Streifenbooten und einem Schnellboot gut zu Wasser ist, wird auch Auto gefahren, um im Alarmfall schnell zur Stelle zu sein. Der Polizist wies eindrücklich auf die Ausmaße moderner Binnenschiffe, die bis zu 190 m Länge und 11.45 m Breite ausmachen, sowie auf den Sichtschatten hin, der sich auf 250 m vor dem Bug erstreckt. Ein beim Münsteraner Ruderverein gedrehter Film zeigte Stuntman-reife Gefahrenmomente, bei deren Anblick es wohl jedem Teilnehmer mehr als kalt den Rücken hinunterlief. Auch der Autor hat sich in der ein oder anderen Szene wiedergefunden.
Vorausschauend Lenken will gelernt sein.
Vorausschauend Lenken will gelernt sein.
Nach einer erfrischenden Lenkübung mit Fahrrädern auf unserem Steggelände übernahm Frank Reppe den dritten Teil der theoretischen Ausbildung. So wurde berichtet, dass je Boot stets ein Obmann zu benennen ist, der die Verantwortung für Mensch und Material ab Entnahme des Bootes aus der Halle bis zu dessen Ablieferung trägt. Dieser kann jedoch muss nicht identisch mit dem Steuermann sein. Dem Befehl des Steuermannes ist stets und ohne Diskussion Folge zu leisten, es sei denn dessen Unsinn ist offensichtlich. Sollte ein Boot kentern, sind sofort die Fußriemen zu lösen, und die Mannschaft, die zusammen bleiben muss, sollte versuchen, das Boot schwimmend an Land bringen, nicht zuletzt um besser gesehen zu werden. Im Gefahrfall ist jedoch das Boot zu verlassen und als Gruppe an Land zu schwimmen.
Im Hinblick auf unsere spezielle Bootshauslage lautet sein Tip, dass der Obmann vor Kreuzen des Bootes mit dem Radweg die dortige Verkehrssituation ortet, denn die Straßenverkehrsordnung sieht hier keine eindeutige Regelung vor. Im übrigen bestätigte Reppe dass jede Aktion auf Kommando zu erfolgen hat, auch das Aussteigen.
Die Sonne hatte schon längst ihren Zenit überschritten, als die wackeren Steuerschüler die Lektionen quasi taufrisch zu Wasser erprobten.