Rund um den Kühkopf 2009   11.6.2009

- 23 windige Kilometer auf Neu- und Altrhein

Für diejenigen, die die Region Kühkopf noch nicht so gut kennen:Der Kühkopf ist ein Naturschutzgebiet.Das Luftbild zeigt eine Art Insel im hessischen Ried,eingerahmt von einem Altrheinarm und dem Rhein.Dieser Altrhein lockt Ruderer und andere Wassersportler an.Viele enge Windungen und eine absolute Ruhe vor Zivilisationslärm machen das Rudern auf diesem Abschnitt zu einem wahren Vergnügen. Diese Ruhe und Unberührheit erlauben es auch, dass viele Tiere, hauptsächlich Vögel, hier paradiesische Zustände vorfinden. Kürzlich war zu lesen, dass auf dem Kühkopf auch wieder Sumpfschildkröten ausgewildert werden. Schutz und gute Bedingungen also für Flora und Fauna. Es gibt aber auch noch andere fliegende Tiere dort. Die gefürchteten Schnacken waren allerdings dieses Jahr vom Winde verweht.

Immer an Fronleichnam ist es mit der Idylle und der Ruhe dahin, da peitschen Ruderer angefeuert von den Motivationskommandos der Steuerleute mit ihren schnittigen Booten und Hackebeilen durchs sonst wenig bewegte Wasser. Das Bootshaus des Veranstalters RC Neptun Darmstadt liegt bei Kilometer 8,5 des insgesamt 16,8 km langen Altrheinarmes um den Kühkopf. Nach dem Start am Bootshaus geht es zunächst (alt-)rheinabwärts auf den Rundkurs zur Nordspitze, die bei km 473,9 des Neu-Rheines liegt. Gegen die Strömung von Gevatter Rhein geht es ?bergauf?. Die erneute Einfahrt in den Altrhein erfolgt bei km 468,3. In Abhängigkeit von den Strömungsverhältnissen wird man geradezu in den Altrhein hineingesogen, so auch dieses Jahr.

?Zwischen km 7,4 und der Mündung an der 'Nordspitze' fließt der Altrhein gemächlich in einem breiten Bett mit langen Geraden dahin, ideal für Trainingsfahrten? soweit das Zitat von der Webseite des RC Neptun Darmstadt. Aber dieses Jahr, sei es Folge des Klimawandels oder der Schafskälte, die gesamte Strecke war eine einzige Kraftausdauerübung. Wind, Wellen, Strömung ? alles vom Feinsten. Das ist es, was man als Ruderer so liebt, wovon man den Lieben daheim gern erzählt und absolut kein Verständnis erfährt. Der Zeigefinger mancher Zuhörer geht reflexartig zur Schläfe und tippt mehrmals daran.

Zusätzlich hatten wir, Wolfgang Becker, Rüdiger Dingeldey, Stefan Ehrhard und Deddy Glitsch mit unserer erfahrenen Steuerfrau Katerina Chrysalidis, eine Besonderheit zu meistern. Wir reisten ohne Boot an, nur die Skulls hatten wir dabei. Wie dann aber an einer Regatta teilnehmen? Dank der Kontakte zu RC Neptun konnten wir uns dort ein Boot leihen, legten die in Nassovenfarben gestrichenen Skulls ein, und hinaus ging es in den Kampf gegen die Elemente. Windböen, Strömung und Wellen konnten dem Boot, das nicht nur Titanic hieß, sondern auch den Eindruck machte, dass es Eisberge versenken könnte, nicht viel anhaben. Die Elemente machten uns deutlich, dass Rudern mit Wasser zu tun hat, in der freien Natur ausgeübt wird und, dass es sich um Sport handelt. Wir klammerten uns an den Glauben, dass auch diesmal die 23 km zu bewältigen sein würden. Aber, ehrlich gesagt, es war nicht nur die körperliche Anstrengung, sondern auch eine mentale Prüfung zu bestehen. Abschließend können wir sagen, wir sind gestärkt aus dieser Prüfung hervorgegangen: Schnellstes Boot überhaupt und schnellster Vierer nach Berücksichtigung der Altersboni. Unsere große Bewunderung gilt allerdings auch der Leistung der Einer- und Zweierfahrer, die mehr oder minder auf sich gestellt, die Strecke ebenfalls in hervorragenden Zeiten bewältigt haben. Dem RC Neptun Darmstadt Dank für seine ungewöhnliche, familiäre und gut organisierte Regatta. (RD)

Ergebnisse und Fotos unter www.rcn-darmstadt.de

Rüdiger